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DFG-Projekt "Siedlung und Grubenanlage Herxheim b. Landau"

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Das DFG-Projekt „Bandkeramische Siedlung mit Grubenanlage von Herxheim bei Landau (Pfalz)“
Grabungsgeschichte – DFG-Projekt – Überblick

Im Jahr 1995 wurde von der Gemeinde Herxheim ein neues Gewerbegebiet im Westen des Ortes ausgewiesen. Mit bereits fast 20 bekannten Lesefundstellen, datierend vom Neolithikum bis in die römische Zeit, gehörte das insgesamt 11,8 ha große zukünftige „Gewerbegebiet West“ zu den am dichtesten besiedelten Kleinregionen der Pfalz (Abb. 1).

Bekannte Fundstellen vor Grabungsbeginn
Abb. 1: Bekannte Fundstellen vor Grabungsbeginn

Da für das geplante Baugebiet kein anderer günstiger Standort gefunden werden konnte, mussten hier von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Dir. Landesarchäologie – Speyer (ehemals Archäologische Denkmalpflege Speyer) großflächige Grabungen in Angriff genommen werden, um vor der Zerstörung durch die Baumaschinen zumindest die zu erwartenden zahlreichen Siedlungsplätze zu dokumentieren und die Funde zu bergen.

Erste Grabungen im Bereich der das Gewerbegebiet umgebenden Ringstraße wurden 1995 in Angriff genommen und dauerten bis in den Frühsommer des Jahres 1996 an; bereits zu diesem Zeitpunkt beteiligte sich die Gemeinde mit erheblichen finanziellen Mitteln. Im März 1996 wurde im Osten des zukünftigen Gewerbeparks das neolithische Erdwerk entdeckt; zugleich intensivierten sich die Planungen für ein Möbelhaus genau auf dem Bereich mit dem Erdwerk und der zu erwartenden Innensiedlung. Als Grabungsleiterin für die darauf folgenden Flächengrabungen, beginnend am Erdwerk, wurde Annemarie Häußer M.A. (Abb. 2) beim Amt Speyer angestellt, die zeitweilig durch den Grabungstechniker des Amtes Michael Münzer Unterstützung erhielt. Nur dank der Bewilligung von Sondermitteln des damaligen Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen war es möglich, die unter erheblichem Zeitdruck stehenden Untersuchungen durchzuführen.

Die Ausgräberin Annemarie Häußer
Abb. 2: Die Ausgräberin Annemarie Häußer

Die Rettungsgrabungen auf dem Areal des bandkeramischen Erdwerkes, insgesamt etwa 2,4 ha Fläche, dauerten von 1996 bis 1999. In dem Doppelgraben um die Siedlungsfläche konnten bisher einzigartige Fundkonzentrationen aus klein zerschlagenen menschlichen Skeletten, Schädeln und zu schalenartigen Kalotten zugerichteten Schädeldächern in Vergesellschaftung mit qualitätvoll verzierter „Prunkkeramik“ sowie weiteren Artefakten aus Felsgestein, Silex und Knochen dokumentiert werden (Abb. 3). Dagegen zeigten die Befunde im Innenraum (Siedlungs- und Abfallgruben) mit der Ausnahme weniger Gruben, die ebenfalls fragmentiertes Skelettmaterial aufwiesen, das übliche Spektrum von Siedlungen der Linearbandkeramik (LBK). Im Bereich der Siedlungsfläche war die Erhaltung der Befunde erosionsbedingt sehr schlecht, so dass weder Pfostengruben noch konkrete Grundrisse bandkeramischer Gebäude mehr aufgefunden wurden. Neben den außergewöhnlichen Deponierungen menschlicher Skelettfragmente, Schädelkalotten und Schädel konnte auch eine kleine Anzahl regulärer Hockerbestattungen, teils im Erdwerk, teils in Siedlungsgruben im Innenraum, dokumentiert werden.

Abbildung3

Abb. 3: Beispiel einer nestartigen Anordnung von Schädelkalotten im Innengraben (Forschungsgrabung 2005–2008).

Bereits während der Ausgrabung organisierte A. Häußer 1998 eine temporäre Ausstellung der spektakulären Funde im Kulturzentrum „Villa Wieser“ in Herxheim und begann mit der Konzeption für ein bandkeramisches Museum im Ort. Mit großem Enthusiasmus und Engagement gelang es ihr, die Bevölkerung von Herxheim für das Grabungsprojekt zu interessieren; für die Jugend wurden Kindertage organisiert (Abb. 4), für Erwachsene Führungen und Vorträge.

Bau einer Flechtwand an einem Kindertag

Abb. 4: Bau einer Flechtwand an einem Kindertag

Nach Abschluss der Grabungen widmete sich A. Häußer der Bearbeitung der Keramik von Erdwerk und Innensiedlung, die sie als Dissertation vorzulegen gedachte. Weitere Fund- und Befundgruppen wurden im Rahmen von Magister- und Diplomarbeiten in Angriff genommen (siehe unten). Mit dem tragischen Unfalltod A. Häußers im September 2002 wurde nicht nur ihre Hoffnung auf Vorlage der Keramik zunichte, sondern auch die gesamte weitere Aufarbeitung der außergewöhnlichen bandkeramischen Anlage stand in Frage. Im Jahr 2003 ersammelte deshalb Verf.in alle bisherigen Bearbeiter in der Außenstelle der Landesarchäologie in Speyer. Dort wurde das „Projekt Herxheim“ gegründet und ein Antrag für Sachmittelunterstützung an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgearbeitet. Für die Keramik konnte ein neuer Bearbeiter gewonnen werden und der im Winter 2003 eingereichte Antrag erfuhr seitens der DFG eine positive Aufnahme. Anfang des Jahres 2004 konnte mit der wissenschaftlichen Erforschung der Gesamtanlage im Rahmen des DFG-Projektes begonnen werden. Insgesamt unterstützte die DFG das Projekt für 8 Jahre (bis 2012).
Bereits zu Beginn der Auswertung der Rettungsgrabung wurde deutlich, dass die Grabungsdokumentation der ungewöhnlichen Befunde für eine intensive Auswertung nicht detailliert genug waren; darüber hinaus war die Grabungstechnik (abschnittsweise Ausgrabung der Erdwerksbefunde ohne dreidimensionale Einmessung von Einzelfunden) den komplexen Befunden nicht angemessen gewesen. Daher war das vordringliche Desiderat eine weitere Ausgrabung im Bereich des bandkeramischen Erdwerkes. Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Gemeinde Herxheim konnte von 2005 bis 2008 eine Forschungsgrabung in einem nördlich der alten Ausgrabungsfläche gelegenen Areal durchgeführt werden (Abb. 5).

Abbildung 5

Abb. 5: Luftbild der Ausgrabungsfläche 2005–2008 von Süden gesehen. Die Grabung liegt nördlich der Fläche der Rettungsgrabung.

Fabian Haack, Mitarbeiter im DFG-Team, leitete die Arbeiten vor Ort, für die Grabungstechnik zeichnete Michael Münzer verantwortlich, Techniker der Landesarchäologie in Speyer, der bereits bei der Rettungsgrabung mitgearbeitet hatte. Diese Grabung bot nun – unter Einsatz modernster grabungstechnischer Geräte wie Laserscanner und Digitalkamera – die Möglichkeit, mittels einer subtil auf die nun bekannten Voraussetzungen abgestimmten Grabungstechnik wichtige Zusammenhänge zu klären, die in der ersten Grabung nicht beobachtet oder dokumentiert worden waren. Darüber hinaus ergaben sich zahlreiche Chancen, neu auftauchende Fragestellungen der wissenschaftlichen Bearbeiter des Platzes zu beantworten.

Folgende Wissenschaftler sind heute noch im DFG-Projektteam beteiligt (Stand 2016):
– Dr. Andrea Zeeb-Lanz GDKE, Dir. Landesarchäologie–Speyer (Projektleitung,
1. Antragstellerin)
– Prof. Dr. Andreas Zimmermann, Universität Köln (2. Antragsteller)
– Dr. Bruno Boulestin, Universität Bordeaux (Anthropologie Forschungsgrabung)
– Dr. Anne-Sophie Coupey (Anthropologie Forschungsgrabung)
– Silja Bauer M.A. (Anthropologie Rettungsgrabung)
– Dr. Anthony Denaire, Fa. ANTEA, Habsheim (Keramikzusammensetzungen)
– Dirk Schimmelpfennig M.A., Universität Köln (Silices, Felsgesteingeräte und –artefakte)
– Dr. Rouven Turck (Isotopenanalysen)
– Dr. Fabian Haack, Speyer (Grabenanlage, Knochengeräte, Schmuck)
– Dr. Rose-Marie Arbogast, Universitäten Straßburg, Basel (Archäozoologie)
– Nicole Boenke M.A., Dr. Julian Wiethold (Archäobotanik)

Bei der Erstantragstellung 2004 lag bereits eine Reihe abgeschlossener Examensarbeiten zu Grabenanlage und Fundgruppen vor:
Erdwerk (Katja Schmidt, Diplomarbeit Strasbourg)
Knochen- und Geweihgeräte (Fabian Haack, Magisterarbeit Berlin)
Isotopenanalysen zu Ernährungsfragen (Claudia Dürrwächter, Diplomarbeit Mainz)

Weitere Examensarbeiten folgten in den Jahren nach 2004:
Silices (Dirk Schimmelpfennig, Magisterarbeit Köln)
Bandkeramische Fundstellen auf der Gemarkung Herxheim (Sandra Fetsch, Magisterarbeit Mainz)
Keramik von Herxheim (Aurelie Houbre, Magisterarbeit Straßburg)
Paläodontologische Untersuchungen an Skelettresten aus Herxheim (Alexandra Hujic, Magisterarbeit Tübingen)

Mehrere Dissertationsprojekte wurden im Rahmen des DFG-Projektes realisiert:
Architektur und Verfüllungsprozesse der Erdwerksgräben (Fabian Haack, Berlin)
Felsgesteingeräte und –artefakte (Dirk Schimmelpfennig, Köln).
Isotopenanalysen zu Fragen der Mobilität (Rouven Turck, Heidelberg)

Im Laufe der Rettungsgrabung waren bereits erste Interpretationen und Datierungen als Arbeitsgrundlagen für die spätere Analyse der Grabung formuliert worden, die im Rahmen des DFG-Projektes natürlich zu überprüfen waren: So gingen die ersten Ausgräber – unter dem Eindruck der qualitätvollen verzierten Keramik aus den Fundkonzentrationen mit Menschenknochen – ursprünglich davon aus, dass Siedlung und Erdwerk ausschließlich in die jüngste Phase der Bandkeramik zu datieren seien.
Bezüglich der Interpretation der ungewöhnlichen Deponierungen im Erdwerk wurden so gegensätzliche Hypothesen wie Überreste kannibalischer Mahlzeiten, Massenmord oder besondere Bestattungen aufgestellt. Was die Todesursachen der menschlichen Individuen anging, deren Knochen in den Fundkonzentrationen dokumentiert werden konnten, so ließen sich diese aufgrund des fragmentierten Zustands der Überreste erst einmal nicht näher bestimmen. Vereinzelt zu beobachtende Verletzungen an menschlichen Schädeln waren als Todesursachen auszuschließen, da sie sämtlich kürzer- oder auch längerfristig überlebt worden waren (Abb. 6).

Abbildung 6

Abb. 6: Schädelkalotte mit verheilter Hiebverletzung von einem Steinbeil.

Für das Erdwerk, das die Ausgräberin als einen doppelten Graben ansah, war bald als alternative Interpretation eine Anlage aus einzelnen langen Gruben vorgeschlagen worden, die im Laufe mehrerer Jahrhunderte auf einer vorgezeichneten Trasse angelegt und schnell wieder verfüllt worden sein sollten. Durch Überschneidungen der zeitlich teils weit voneinander getrennten Befunde ergäbe sich dann im Ausgrabungsbefund der Eindruck eines durchlaufenden Grabens. Dieses Modell einer Grubenanlage, das Christian Jeunesse anhand einer LBK-Fundstelle in Rosheim (Elsass) aufgestellt hatte, dominierte bis in die Forschungsgrabung hinein die Vorstellungen von den Erdwerksbefunden von Herxheim. In seiner Dissertation über die Befunde konnte Fabian Haack jedoch anhand der Grabungsdokumentationen schlüssig und zweifelsfrei belegen, dass es sich bei dem Erdwerk um einen doppelten Graben handelt. Die Gräben waren in langen Segmenten ausgehoben worden, innerhalb derer zwar Gruben die ursprüngliche architektonische Einheit bilden, die aber gleichzeitig ausgehoben worden waren. Nur in wenigen Fällen ist eine Überschneidung von Befunden innerhalb der Gräben nachweisbar; hierbei handelt es sich dann um nachträglich in den bereits ganz oder teilweise aufgefüllten Graben eingetiefte Gruben zwecks Aufnahme von Resten der Ritualhandlungen. Die Analyse der Keramik aus den Gräben belegt zudem, dass deren Anlage zeitlich eng an den Horizont der Rituale anzugliedern ist und die Gräben nicht über Jahrhunderte hinweg eine „Dauerbaustelle“ waren.

Abbildung 7

Abb. 7: Qualitätvolle Keramikgefäße aus den Fundkonzentrationen im Erdwerk.

Die überwältigende Mehrheit der Keramikscherben verzierter Gefäße in den Fundkonzentrationen aus dem Erdwerk datiert in die jüngste Phase der Bandkeramik (Abb. 7). Allerdings trifft eine so enge zeitliche Eingrenzung für die Siedlung selbst nicht zu, denn hier konnte aus Abfall- und Vorratsgruben keramisches Material geborgen werden, das eine Gründung der Siedlung bereits in der Initialphase der Bandkeramik auf dem linken Rheinufer belegt (Phase Flomborn, ca. 5300–5100 v. Chr.). Auch aus der mittleren und jüngeren LBK stammen Siedlungsbefunde, so dass von einer durchgängigen Belegung des Dorfes in allen linksrheinisch vertretenen Phasen der Bandkeramik ausgegangen werden muss; die auffälligen Fundkonzentrationen mit zerschlagenen Menschenknochen, Schädeldächern und anderem Fundmaterial wurden dagegen nach Ausweis der datierenden Keramik alle erst in der jüngsten LBK (ca. 5000–4950 v. Chr.) angelegt.

Die detaillierten Analysen der menschlichen Knochenfragmente aus der Forschungsgrabung durch Bruno Boulestin und Anne-Sophie Coupey haben ergeben, dass sich an den Skelettresten deutliche Spuren einer systematischen Zerlegung der menschlichen Körper dokumentieren lassen, die, wie z.B. die Abtrennung der Extremitäten, das Heraustrennen der Wirbelsäule und die Zerschlagung der Knochen genau dem Bild beim Schlachten von Tieren entsprechen. Die an allen zerlegten Knochen und fragmentierten Skelettteilen sowie den Kalotten vorhandenen perimortalen Bruch- und Schnittspuren machen deutlich, dass die menschlichen Individuen durchweg im „frischen“, Zustand, also kurz nach ihrem Tod, manipuliert und zerteilt wurden (Abb. 8). Damit ist die anfänglich von den Anthropologen der Rettungsgrabung favorisierte Interpretation von Sekundärbestattungen hinfällig – mehrstufige Bestattungsriten können für die zerlegten und fragmentierten Individuen, Skelettelemente und Knochenreste deutlich ausgeschlossen werden. An einigen Knochen wurden allerdings auch postmortale Bruchspuren entdeckt, die wohlmöglich durch den Erddruck in den verfüllten Gräben entstanden sind.
Bei den Individuen aus den Erdwerksgräben handelt es sich wohl um Menschenopfer, die nach einem gewaltsamen Tod auf systematische, normierte Weise manipuliert wurden. Das Fehlen fettreicher Skelettelemente wie Brustbein, Wirbelkörper und Gelenkenden führen die Bearbeiter auf ein intentionelles Auskochen dieser Teile zurück. Nicht zuletzt aufgrund von Vergleichen mit anderen Befunden, für die Kannibalismus postuliert wird (Perrat, Mancos…), gehen B. Boulestin und A.-S. Coupey davon aus, dass in Herxheim im Rahmen des hier durchgeführten besonderen Rituals auch Kannibalismus stattgefunden hat. Für diese Hypothese rituellen Kannibalismus´ als Bestandteil der komplexen Handlungen an den Erdwerksgräben gibt es eine Reihe von Argumenten, nicht zuletzt auf statistischer Ebene. Doch ist eine rein religiös/kultisch motivierte Manipulation der Toten, ohne dass ihr Fleisch verspeist wurde, als ebenfalls mögliche Hypothese nicht von vorneherein gänzlich auszuschließen.

 

Abbildung 8

Abb. 8: Beispiel für Schnittspuren an einem menschlichen Knochen.

Die verzierte Keramik aus den Fundkonzentrationen in den Gräben zeigt Verzierungen im Stil verschiedener Regionalstile der jüngsten Bandkeramik (Abb. 9); insgesamt konnten acht Stilprovinzen identifiziert werden, darunter so weit entfernte Regionen wie das Elster-Saale-Gebiet und Böhmen. Tonanalysen von repräsentativen Stichproben der Keramik mit Verzierungen in unterschiedlichen Stilarten belegen, dass die mit in der Pfalz „fremden“ Ornamentkombinationen verzierten Gefäße auch nicht vor Ort in Herxheim hergestellt wurden. Daher ist anzunehmen, dass eine Reihe bandkeramischer Gemeinschaften aus unterschiedlichen Gegenden an den Ritualhandlungen in Herxheim beteiligt waren.

Abbildung 9

Abb. 9: Keramikgefäß der jüngsten Bandkeramik aus Herxheim mit Verzierung im Rhein-Main-Schraffurstil.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass es sich in Herxheim um einen außergewöhnlichen Ort mit wohl zentraler überregionaler Bedeutung am Ende der Bandkeramik handelt. Hier wurden rituelle Handlungen abgehalten, die Menschopfer – möglicherweise mit Anthropophagie – sowie die Zerstörung der Toten und wertvoller Gegenstände (Keramik, Steingeräte, Silices….) beinhalteten. Alle Ritualbestandteile, die zerschlagenen Skelettreste ebenso wie die zerstörten Artefakte, wurden letztendlich dann in großen „Abfallkonzentrationen“ in den Gräben um die ehemalige Siedlung entsorgt. Das Ritualgeschehen in Herxheim besaß keine erkennbare Tradition in der bandkeramischen Kultur und fand auch in den Nachfolgekulturen keine Wiederholung.

Andrea Zeeb-Lanz

 

 

 

letzte Änderung: 10.01.2017