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DFG-Projekt "Siedlung und Grubenanlage Herxheim b. Landau"

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Grabung 2005-2008

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Grubenanlage und Siedlung
Punkt
Grubenanlage
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Komplexe
Punkt Komplexe 9-11 Altgrabung
Punkt Komplexe 2 und 4
Punkt Neugrabung

Punkt Komplex 9 Neugrabung


Materialbearbeitung
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Punkt Knochen-, Geweih- Punkt
Punkt und Zahnartefakte



Publikationen

Tagung 2007

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Impressum


 

Vier Jahre Ausgrabungen in der frühneolithischen Grubenanlage von Herxheim - eine Bilanz

 

Übersicht
Übersicht über das Grabungsgelände 2005-2008

 

Im August 2008 wurden die Ausgrabungen im Zwickel zwischen der Insheimer- und der Rohrbacherstraße im Herxheimer „Gewerbegebiet West“ endgültig abgeschlossen. Damit kamen vier Jahre intensivster Grabungsarbeiten zum Abschluss, die uns allen in organisatorischer, dokumentatorischer, aber natürlich auch was die Interpretation der Funde und Befunde betraf, einiges abverlangten. Für ihren Einsatz und ihr Engagement möchten wir uns an dieser Stelle bei allen, Studenten, Schülern, ehrenamtlichen Mitarbeitern, Hartz IV-Kräften, Mitarbeitern der Gemeinde Herxheim und Kollegen ganz herzlich bedanken.
Ziel der erneuten Ausgrabung war es detaillierte Angaben zur Architektur der Grubenanlage und vor allem zur Zusammensetzung, Lage und Deponierung der Konzentrationen aus zerschlagenen Menschenknochen, Keramikscherben, Tierknochen und zerstörten Steingeräten zu erhalten. Aufgrund der Ergebnisse der Grabung in den 1990er Jahren war klar, dass beide Grubenringe eine sehr komplexe Verfüllungsstruktur aufweisen, die sich nur in großräumigen Untersuchungseinheiten rekonstruieren lassen würde. Zu diesem Zweck haben wir ein Verfahren entwickelt, bei dem beide Grubenringe jeweils in drei große Teilflächen durchgehend und flächig untersucht werden konnten. Nach dem Baggerabtrag des Oberbodens bis auf das anstehende Lößsubstrat wurden ab diesem Niveau die Teilflächen jeweils durchgehend in 10 cm Schritten abgetieft und dokumentiert. Dabei wurden zunächst in regelmäßigen Abständen Stege für Querprofile über drei Planaflächen stehen gelassen und in 30 cm Schritten dokumentiert. Zusätzlich wurde versucht über ein Längsprofil in 10-20 cm Schritten weiter Informationen über die Verfüllvorgänge zu erhalten. Allerdings stellte sich bald heraus, dass die Profilstege oder die nur hälftig aufgedeckten Grubenringe wichtige Informationen in der Fläche insbesondere im Bereich der Konzentrationen verdeckten und eine Interpretation erschwerten. Deshalb wurde auf Längsprofile fast ganz verzichtet und die Anzahl der Querprofile auf ein sinnvolles Maß reduziert (9 im äußeren und 12 im inneren Grubenring). Dafür wurden im Bereich der Fundkonzentrationen die Abtragseinheiten auf 5 cm, teilweise sogar auf 3 cm reduziert. Die Befunddokumentation erfolgte mit dem Tachymeter und wurde auf der Grabung über das Programm SingulArch direkt in AutoCad eingespielt, überarbeitet, ausgeplottet und im direkten Anschluss auf der Fläche überprüft, koloriert und beschrieben. Um eine schnelle Dokumentation der Fundkonzentrationen innerhalb der Komplexe zu ermöglichen, wurden diese nicht von Hand gezeichnet, sondern mit Fotopasspunkten fotografiert und die Funde zusätzlich einzeln dreidimensional eingemessen. Die fotogrammetrische Entzerrung der Bilder und deren Durchzeichnung ist nun Teil der Aufarbeitung der Grabung. Für die Interpretation der Fundkonzentrationen erschien uns eine eindeutige Ansprache des Fundmaterials unerlässlich. Aus diesem Grund war die regelmäßige Anwesenheit eines Restaurators mit entsprechender Infrastruktur auf der Grabung von entscheidender Bedeutung und ermöglichte es uns die gewaschenen Funde zum einen direkt im Zusammenhang mit den Befunden zu diskutierten und andererseits inklusive der Beschriftung eines erheblichen Teil der Keramikscherben und Knochenfragmente weitgehend fertig für die Inventarisierung zu machen und damit eine schnelle Aufarbeitung durch die jeweiligen Bearbeiter zu gewährleisten.

Die nachfolgende Zusammenstellung soll einen kurzen Eindruck über den Umfang unterschiedlicher Aspekte des Grabungsalltags geben:

Personal:
Insgesamt waren in den vier Jahren mit einer effektiven Grabungszeit von 25 Monaten 127 Personen an der Grabung beteiligt. Dabei handelte es sich um eine sehr heterogene Personengruppe:
7 Mitarbeiter des GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie Speyer
30 studentische Mitarbeiter der Universitäten Mainz, Heidelberg, Saarbrücken, Frankfurt, Hamburg, Tübingen
6 am Projekt beteiligte Wissenschaftler der Universitäten Köln, Straßburg, Basel, Bordeaux und des Museum Zürich
56 Hartz IV Mitarbeiter aus Herxheim und Landau
2 Schüler
2 ehrenamtliche Mitarbeiter
20 Studenten im Rahmen der Lehrgrabungen der Universitäten Köln und Straßburg.
Die Anzahl der gleichzeitig auf der Fläche arbeitenden Personen schwankte zwischen 2 und maximal 25.

Erdarbeiten:
Per Handaushub mit Schaufel, Kelle und Schubkarren wurden von uns 700 m³ (entspricht etwa 100 LKW-Ladungen) abgegraben. Mit dem Bagger wurde vor dem Ausgrabungsbeginn der Mutterboden abgenommen und im Verlauf der Grabung im Bereich der Grubenanlage das ganze Oberflächenniveau um ca. 1,00 m abgesenkt. Dabei wurden 3500 m³ Erde (entspricht etwa 500 LKW-Ladungen) bewegt.


Dokumentation:

Die freigelegte Grubenanlage wurde in unterschiedlichen Niveaus auf DIN A3-Millimeterpapier im Maßstab 1:20 gezeichnet. Aneinander gehängt, ergeben die Blätter eine Länge von 132 m. Das entspricht einer Strecke von etwa 2,4 km in der Natur. Zusammen mit den Gruben im Innenbereich und den Profilen haben wir ca. 600 A3-Blätter gebraucht.
Die Zeichnungen erfolgten über eine Punkteinmessung mit dem Tachymeter. Insgesamt wurden über 45000 Messpunkte aufgenommen. Davon entfallen 5000 auf die dreidimensionale Einmessung von Menschenknochen, Keramikscherben und anderen Artefakten. 1100 Fotopasspunkte wurden aufgemessen, mit deren Hilfe die Fundfotos entzerrt und dann am Computer nachgezeichnet werden.
Von den entstandenen 6300 Fotos sind 1200 analog als Dia aufgenommen worden und 5100 mit einer Digitalkamera.

Grabungsarbeiten
Grabungsarbeiten

 

Funde:
Die tatsächliche Zahl an geborgenen Menschenknochen, Feuersteingeräten, Keramikscherben, Tierknochen und anderem Fundgut lässt sich momentan auch aufgrund der starken Fragmentierung und Versinterung vieler Stücke noch nicht angeben, dürfte aber bei über 50000 Stücken liegen. Von den für Herxheim so typischen Schädelkalotten haben wir 84 gefunden, komplette Schädel dagegen nur 9.
Darüber hinaus haben wir für die Untersuchung der botanischen Makroreste 200 Erdproben in 10 l-Eimern genommen und durch ein Sieb mit einer Maschenweite von 0,315 mm geschlämmt.


Öffentlichkeit:

An den 10 "Tagen der offenen Grabung" in den vier Jahren kamen etwa 2500 Besucher um sich über unsere Arbeit zu informieren. Neben zahlreichen Berichten in den regionalen Printmedien haben uns 4 Fernsehteams auf der Fläche gefilmt und es entstanden daraus Fernsehberichte insgesamt 50 min. Sendezeit. Im Steinzeitmuseum im Scheunenkeller in Herxheim wurde jährlich im Rahmen einer Sonderausstellung über den Verlauf der Grabungen und die neusten Funde berichtet.

 

Das Fernsehen auf der Grabung
Fernsehen

 

Tag der offenen Grabung
Tag der offenen Grabung

Fabian Haack und Michael Münzer

 

 

 

letzte Änderung: 10.01.2017