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DFG-Projekt "Siedlung und Grubenanlage Herxheim b. Landau"

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Die Komplexe 2 und 4 der Grabung 2005-2008

Während der von 2005 bis 2008 durchgeführten Grabungen in der bandkeramischen Grubenanlage von Herxheim wurden im inneren Grubenring zwei übereinander liegende Konzentrationen aus Menschenknochen, Keramik und anderen Materialgruppen untersucht. Anhand dieser beiden Deponierungen lässt sich hervorragend nachvollziehen, in welcher Art und Weise die Fundkonzentrationen in den Grubenring gelangten. Das Fundmaterial wurde in beiden Fällen offensichtlich zusammen mit einer größeren Menge Erdaushub eingefüllt. Als Basis diente dabei der Überschneidungsbereich von zwei Langgruben, die bereits zu einem erheblichen Teil, mit einem nach Norden ansteigenden Relief verfüllt waren. Da zwischen beiden Konzentrationen keinerlei Trennschichten existieren, müssen sie unmittelbar nacheinander eingebracht worden sein.
Die beiden Konzentrationen liegen im südlichen Teil der Grabungsfläche innerhalb des inneren Grubenringes (Abb. 1).

Abb. 1: Grabungsfläche mit den beiden Grubenringen auf Niveau Planum 11 mit Blick nach N (in rot Lage von Komplex 2/4).



Bereits im Verlauf des ersten Grabungsjahre wurden beim Abtiefen von Planum 3 auf Planum 4 ein Schädelstück, ein sich offensichtlich noch im Skelettverband mit dem Unterschenkel befindender Femur mit einem weiteren Femurfragment, ein weiterer menschlicher Langknochen und wenige kleinteiligere Knochenfragmente freigelegt (Abb. 2).

Abb. 2:

Abb. 2: Komplex 2 auf Niveau Planum 4 mit Schädelstück, Bein im Skelettverband und weiteren Knochen.




Die Verfüllung des Grubenringes ist auf diesem Niveau, 0,30 m unter dem Baggerplanum, aufgrund von Tonverlagerungen (Bt Horizont) stark überprägt und sehr homogen, so dass sich kaum Aussagen zu verschiedenen Einfüllungen und der Einbringung der Funde machen lassen. Auffallend ist aber eine Verbreiterung oder Ausbuchtung auf der östlichen Innenseite des inneren Grubenringes, die eindeutig mit dem sich noch im Verband befindlichen menschlichen Bein im Zusammenhang steht. Die Befundsituation ist auf Planum 6 deutlich nachzuvollziehen (Abb. 3).

Abb3

Abb. 3: Befundsituation auf Niveau Planum 6 mit den Komplexen 2 und 4.

 

 

Ein braun-graues, nach Norden halbrund auslaufendes Verfüllungspaket wird im Süden, quer zum Verlauf des inneren Grubenringes, gerade geschnitten (Komplex 4). Das sich südlich anschließende, braune bis dunkelbraune Verfüllungsmaterial ist großfleckig mit Löß durchsetzt und liegt in dem jetzt auch im Westen deutlich breiteren Bereich (Komplex 2). Nach Süden setzt sich diese Verfüllung ohne klare Grenze weiter fort, und auch die Verbreiterung ist hier gegenüber dem eigentlichen Verlauf des Grubenringes weniger eindeutig. Dieses Bild bestätigt sich auch für Planum 7, allerdings scheint hier die Verbreiterung von Komplex 2 bereits weniger stark ausgeprägt (Abb 4).

Abb 4
Abb. 4: Befundsituation auf Niveau Planum 11 mit den kleinteilig zerschlagenen Knochen von Komplex 4 im Norden und vollständigen, teweilweise noch im Skelettverband liegenden Knochen von Komplex 2 im Süden

 

Dafür deuten sich die Unterschiede in der Zusammensetzung des Fundmaterials der beiden Komplexe an: Während Komplex 2 größtenteils aus vollständigen, z.T. im Verband liegenden Langknochen besteht, sind diese in Komplex 4 stark fragmentiert und meistens längs aufgespalten. Neben den ebenfalls stark fragmentierten Knochen anderer Skelettelemente kommen außerdem kleinere Keramikscherben hinzu.

Abb 5

Abb. 5: Umzeichnung des Längsprofils durch die Komplexe 2 und 4 mit den beiden Langgruben.



Bereits ab Niveau Planum 8 besitzt der innere Grubenring dann einen mehr oder weniger geraden Verlauf der Außenkanten, die Verbreiterung im Übergang zu Komplex 2 ist nicht mehr vorhanden (Abb. 5). Dafür ragt auf Niveau Planum 12, wie dies für die Verfüllung von Komplex 4 im Übergang zur nördlichen Langgrubenverfüllung durchgehend der Fall ist, jetzt auch die Verfüllung von Komplex 2 zungenförmig nach Norden in den Komplex 4. Das Verfüllungsmaterial der beiden Fundkonzentrationen lässt sich nach wie vor gut unterscheiden und hat sich in seiner Textur kaum verändert. Nur im Material der Konzentration 4 finden sich immer wieder Bereiche mit einem erhöhten Holzkohleanteil und verziegelten Lehmstückchen. Hinsichtlich des Fragmentierungsgrades und der Artikulation der Skelettteile unterscheiden sich die Komplexe nach wie vor stark. Komplex 4 wird von sehr fragmentierten Langknochen dominiert, während in Komplex 2 neben einem vollständigen Schädel eine obere Extremität aus Scapula, Humerus, Ulna und Radius weitgehend im Skelettverband vorliegen. Der Schädel ist zugleich der letzte größere Fund aus Komplex 2 und liegt nur wenige Zentimeter oberhalb der Sohle der zugehörigen Einfüllung.

Abb 6

Abb. 6: Umzeichnung der Funde von Komplex 2 von Planum 3 bis Planum 13.



Die zentrale Konzentration von Komplex 4 liegt dagegen deutlich tiefer. Ab Planum 13 dominieren Schädelkalotten und große Keramikfragmente das Fundmaterial, während die kleinteilig zerlegten postcranialen Skelettelemente abnehmen (Abb. 6). Auf Niveau Planum 18 lässt sich zudem gut erkennen, dass Komplex 4 hier im Überschneidungsbereich von zwei Langgruben liegt. Die sich nach Norden fortsetzende, nach Osten ausgebauchte Langgrube ist deutlich schmaler als die lineare südliche Langgrube, deren Verfüllung teilweise schon mit den anstehenden roten Schwemmsanden durchmischt ist. Die letzten Funde die sich Komplex 4 zuordnen lassen, sind das Skelett eines Neonatus und ein vollständiger Oberschenkelknochen. Die Sohlen der beiden Langgruben liegen bei 2,20 m unter Planum 1 und nur 0,20m unter den letzten Funden fast auf einem Niveau und lassen sich selbst in dieser Tiefe kaum anhand des Verfüllungsmaterials trennen (Abb. 7).

Abb 7

Abb. 7: Umzeichnung der Funde von Komplex 4 von Planum 5 bis Planum 20.

Von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Befundsituation ist die Tatsache, dass beide Komplexe in einem Erdpaket liegen, welches jeweils von Norden nach Süden über eine erhebliche Länge und mit einem beachtlichen Gefälle einfällt (Abb. 7, 8). Die Funde von Komplex 2 streuen etwa auf einer Länge von 2,50 m bei einer Höhendifferenz von 1m. Komplex 4 erstreckt sich sogar über 4m bei einem Höhenunterschied von 1,55 m.

Fabian Haack

 

 

letzte Änderung: 10.01.2017